Bemerkungen zum Inneren Wort
Bei der Hinwendung zum Herrn geht es immer mehr auch darum, ein tieferes Verstehen für das Innere Wort zu entwickeln und, so der ehrliche Wunsch und die tiefe Liebe zu Gott, unserem Vater, bestehen, in absoluter Freiheit eigene Erfahrungen damit zu machen.
Die Tatsache, daß Gott im Menschen lebt („Der Mensch ist der Tempel des Heiligen Geistes”) und eine direkte Kommunikation zwischen Gott und dem Menschen, also zwischen dem Vater und Seinem Kind, möglich und erstrebenswert ist, war und ist vielen Mystikern, Gottliebenden und ehrlich suchenden Menschen bekannt. So bezeichnete z.B. Joachim von Fiore die Zeit, die nach der des Vaters (AT) und des Sohnes (NT) kam, als die dritte Zeit oder den dritten Status, ein Zeitalter des Heiligen Geistes, das über die Kirche hinausführe. „... gibt es eine Reihe von Andeutungen in Joachims Werk, die nahelegen, daß sich das neue geistliche Verstehen völlig von allen bekannten Praxen der Wissensaneignung unterscheiden wird. Denn die Lektüre von Büchern, selbst der Bibel, wird nicht mehr nötig sein, wo der göttliche Geist unmittelbare Kenntnis von der himmlischen Wirklichkeit mitteilt” (zitiert nach Matthias Riedl in politikon.org).
Diese Zeit ist da. Joachim von Fiore machte lediglich den Fehler – den viele Mystiker vor und nach ihm begingen –, die von ihm erwartete Epoche zeitlich früher einzuordnen. Das ändert jedoch nichts an der von ihm erkannten Wahrheit. Darum noch einmal: Diese Zeit ist da.
Die Aufzeichnungen dieser Seiten geben Zeugnis davon, daß und auf welche, sehr indivduelle Art und Weise eine Zwiesprache zwischen dem Vater und Seinem Kind stattfinden kann. Es sind zum Teil die ersten Schritte, die Menschen bei ihrem Bemühen gemacht haben, zur Kommunikation mit Gott zu finden.
Es ist hier nicht der Platz, ausführlich auf die verschiedenen Aspekte, Möglichkeiten, aber auch Voraussetzungen einzugehen, die dieses umfangreiche Thema betreffen. So viel jedoch: Das Innere Wort – sei es nun der Beginn, das Aufbrechen oder schon das vertraute Gespräch von Du zu Du – ist etwas Heiliges. Es ist zugleich etwas Selbstverständliches, weil Gott im Menschen lebt, und dennoch eine wunderbare, den Menschen zutiefst ergreifende Erfahrung.
„Üben” in dem Sinne, wie man sich z.B. eine Technik oder Fertigkeit aneignet, kann man das Innere Wort nicht. „Erlernen” geht also nicht, aber das Innere Wort erschließt sich nach und nach durch eine tiefe, liebende Hingabe an Gott, unseren himmlischen Vater. Diese Liebe ist der Schlüssel zum Tor unseres inneren Himmelreiches, unseres inneren Tempels. Dort ist Gott allgegenwärtig, dort können wir mit Ihm reden, Ihm alles hintragen – und Er wird uns, entsprechend unseres ehrlichen Bemühens und unseres Bewußtseins, antworten. Kommen wir, bildlich gesprochen, als Säugling oder Kind zu Ihm, erfahren wir seine Antworten auf dieser Ebene. Kommen wir als Sohn oder Tochter zu Ihm, so spricht Er zu uns aus Seinem Ernst und Göttlichen Willen, immer aber getragen von Seiner unendlichen Liebe.
Außerdem eine notwendige Erläuterung:
Da jeder Mensch den freien Willen hat, ist es wichtig und notwendig, daß der Mensch mit seiner Bereitschaft, in die innere Kommunikation mit Gott einzutreten, den ersten Schritt tut. Es erfordert, daß von seiten des Menschen aus ein bewußtes Ja zu Gott und der Zwiesprache mit Ihm erfolgt. Gott wartet auf diese, unsere Hingabe, ansonsten würde Er unseren freien Willen mißachten. Ohne dieses ehrliche Ja kann keine Kommunikation mit dem Absoluten aufgebaut werden.
Der Vater spricht also nur zu Seinem Kind, wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, und auch dann nur in dem Maße, wie es dem Bewußtsein des Kindes entspricht. Andere, nicht göttliche Kräfte, die nur darauf warten, einen Kanal für ihre Botschaften zu finden, beachten diese Regeln nicht. Sie sprechen in den Menschen ein und durch ihn und können dies tun, weil die Ausrichtung des Menschen, die zwar möglicherweise im Äußeren und dem Anschein nach gegeben ist, im Inneren noch nicht oder nur bedingt die Hingabe an die selbstlose und bedingungslose Liebe zum Ziel hat.
Ist diese Hingabe jedoch so ehrlich wie möglich vorhanden, dann ist gleichzeitig ein göttlicher Schutz gegeben, so daß keiner Angst zu haben braucht, irgend jemand oder irgend etwas könnte sich in die Verbindung zwischen Vater und Kind einschalten.
Das läßt jedoch den logischen Schluß zu – der leider oft vergessen wird –, daß eine Einschaltung durch andere Kräfte dann erfolgt ist, wenn die empfangenen Worte nicht göttlichen Ursprungs sind – was sich am Inhalt der Botschaften unschwer erkennen läßt, besonders natürlich dann, wenn sich der „Sender” auch noch in großtuerischer Absicht als dieser oder jener Geist zu erkennen gibt. Doch selbst dann, wenn angeblich der reine Gottesgeist die Quelle der Botschaft ist, kann eine nicht-göttliche Herkunft nicht verborgen bleiben, wenn folgendes beachtet wird:
Wenn andere Motive als die hingebungsvolle Liebe im Herzen des Kindes, bewußt oder unbewußt, vorhanden sind, ist höchste Vorsicht geboten. Alles Selbstsüchtige, jede Wichtigtuerei und Neugierde, jede Erwartungshaltung, jedes Hoffen auf spektakuläre Ereignisse, jedes „Sich-toll-Fühlen”, jedes Wünschen und Wollen blockieren das Empfangen des reinen, inneren Gotteswortes und können den Weg freimachen für Kräfte, die – im schlimmsten Fall – Gegenteiliges beabsichtigen.
Dagegen nähern wir uns dem Herzen Gottes, wenn wir in Empfindungen, Gedanken oder Worten zum Ausdruck bringen: „Vater, hier bin ich, Dein Kind. Ich liebe Dich.” Mehr nicht; das reicht. Den Rest können wir getrost unserem himmlischen Vater überlassen.
Das alles ist eine Gratwanderung. Es schmälert nicht das Einmalige, Wundervolle einer inneren Zwiesprache mit Gott. Aber es zeigt auch die Gefahren auf, die gegeben sind, wenn andere Beweggründe mit im Spiel sind.
In Seiner Offenbarung (Breitenstein/Samstagabend, siehe hier) hat Gott „vorsichtshalber” diesen überaus wichtigen Aspekt angesprochen als Hinweis, den sich alle jene zu Herzen nehmen können, die glauben, unbedingt das Wort – vielleicht sogar vor einem größeren Kreis von Menschen – aufnehmen und geben zu müssen. Durch ihr „Inneres Wort” können sie Unsicherheiten bei all denen hervorrufen, die mit den „Spielregeln” für die Kommunikation mit dem Höchsten noch nicht so vertraut sind. Wer dem Herrn dienen möchte, möge „im stillen Kämmerlein üben” und die Zuführung von suchenden Menschen vertrauensvoll Gott überlassen.